Contemporary Art at the 32.Festival Sarajevo „Winter“ 2016-Zeitgenössische Kunst auf dem 32.Festival Sarajevo „Winter“ –

Jürgen Weichardt Kaiserstr. 7 D-26122 Oldenburg

 

Zeitgenössische Kunst auf dem 32.Festival Sarajevo „Winter“

In der Woche zwischen dem 13. und 20. März 2016 lag das Schwergewicht des 32. Festivals Sarajevo Winter auf Präsentationen von Videos von Künstlerinnen und Künstlern aus ganz Europa sowie auf Malerei- und Fotografie-Ausstellungen.

Die Videos wurden im oberen Stockwerk des Ars Aevi Museum Depots aufgeführt, wobei die Leinwand zwischen den Fenstern des Museums so angebracht war, dass der Blick auch auf die leicht ansteigenden Berghänge der beleuchteten Stadt Sarajevo fiel, die auf diese Weise permanent an den Präsentationen beteiligt war. Nicht allen, aber manchen Videos gab dieses Ambiente einen zusätzlichen Reiz, der nirgendwo anders gewonnen werden kann.

Eingeladen zur Präsentation waren 13 Künstlerinnen und Künstler aus Europa mit Videos zwischen 3 und 10 Minuten Länge. Thematisiert wurden auf unterschiedliche Weise zwei Kapitel des Lebens in der modernen Welt: Die subjektiv existentielle Situation des individuellen Menschen, seine Verlorenheit und mögliche Rettung in der Beziehung zu einem anderen Menschen („Iceberg“, Vanta Marvroeidi,Griechenland) und die Stadt in ihrer vielfältigen Gestalt.

Erzählen, Reden, Sprache und Sprachlosigkeit wurden in verschiedenen Nuancen in dem Video von Klitsa Antoniou, Zypern, „Experimental Storytelling“ und Gökca ER, Türkei, „All is mine“ untersucht. In „All is mine“ agieren nur die Hände vor schwarzer Fläche in der Zeichensprache für Taubstumme. Man kennt ähnliche Bewegungen, hat sie aber nie mit Sprache in Verbindung gebracht. Also ein Video in strenger Form mit überraschender Erkenntnis.

Die Stadt ist Thema von drei außerordentlichen Videos: Die gefährliche Luft der Industrieanlagen hat Matja Debeljuh, Kroatien, in „The City of Steel“ thematisiert und dabei dokumentiert, dass diese Stadt tot ist, wenn kein Feuer mehr brennt und kein Stahl mehr produziert wird. Der Teufelskreis: „The City of Steel“ produziert und tötet oder stirbt selbst.

Eine Erinnerung an Sarajevo hat Nora Lefa, Griechenland, Frankreich, aufgezeichnet: Sie verwandelt dabei die Architektur der Stadt in fragile weiße Gerüste, durch die die Kamera scheinbar hindurchfahren kann. Der Kenner von Sarajevo meint Architekturen wiederzusehen, aber die zarte Zeichnung entzieht sich einer präzisen Bestimmung, so wie die Erinnerung immer nur ein ungefähres Bild des Vergangenen zeichnen kann.

Mit ihrem preisgekrönten Video „Skyline Memory“ führt Beatriz Ruibal, Spanien, von der Architektur wieder zurück zu den Menschen, die hinter den Fassaden wohnen. Die Künstlerin hat mehrere bekannte Architekturen ausgewählt, an denen die Kamera langsam von unten nach oben hochfährt, was bewirkt, als ob diese Architekturen versinken. Während der Kamerafahrt werden Texte von Beatriz Ruibal und anderen Autoren zitiert, die sich mit dem Leben hinter den Fassaden beschäftigen, mit dem Leben des Individuums in der Masse der Menschen in einem Wolkenkratzer.                                                                          Mensch und Natur ist Thema des Videos „Der Wind und das Buch“ von Eugenia Gortchakova. Ein Buch des Philosophen Karl Jaspers, der dieses Thema intensiv untersucht hatte, liegt am Ufer eines Wasserlaufs und der Wind blättert darin, als ob er darin lese, bis er schließlich das Buch zuklappt. In ihrem zweiten Video hat die Künstlerin Antworten auf die existentielle Frage „Wofür würden Sie sterben?“ gesammelt, eine Frage, die zwanzig Jahre nach dem Krieg in Sarajevo unter die Haut gehen kann.

Zwei Ausstellungen wurden in dieser Woche geöffnet: Alfred Freddy Krupa, Kroatien, zeigt in der Galerija Preporod „Moderne europäische Pinsel-Malerei“ und Almin Zrno, Sarajevo, stellt in der Galerija Novi Hram Akt-Fotografie aus.

Alfred Krupa hatte 1998 ein Stipendium an der Tokyoer Universität Gakugei erhalten und japanische Tuschmalerei studiert. Eine Auswahl stellte er jetzt in Sarajevo vor: Der japanische Einfluss ist unverkennbar in der Linienführung und im Lauf des mit Farbe gesättigten Pinsels. Auch in der Differenzierung des Schwarz zu feinen Grauwerten ist die Erinnerung an japanische Meister unübersehbar. Aber zuweilen löst sich Krupa von der Bindung an gegenständliche Formen, an Baum, Strauch und Wege und gewährt dem Pinsel freien Lauf zu einem Pinselschwung, der damit eine Nähe zum europäischen Informel andeutet. In gewisser Weise ist Krupas Malerei eine Brücke zwischen der japanischen und der europäischen Tuschmalerei.

Die Modulation des Schwarz ist auch Kennzeichen der Aktfotografie von Almin Zrno. So ausgeprägt Körperhaltung und Gestik der Aktfiguren auch scheinen, der Künstler nutzt Tuch, Umhang oder Teppich, um über die Körperkonturen hinaus eine Form zu finden, die den Körper umschließt, ohne ihn zu verhüllen. Diese Spannung zwischen erotischem Zugriff auf den Körper und Distanz charakterisiert die Aktfotografie von Almin Zrno in dieser Ausstellung. Wesentliches Mittel ist dabei die Ausleuchtung der Körper, die feinfühlig gleichfalls prägt und verhüllt, anbietet und verweigert.

 Das 32. Festival Sarajevo Winter bot 2016 spannende Kunst.

Jürgen Weichardt

Jürgen Weichardt  Kaiserstr. 7    D-26122 Oldenburg, Germany


Contemporary Art at the 32.Festival Sarajevo „Winter“ 2016

 

In the week of 13th to 20th of march 2016 the main emphasis of  he festival was put on the presentation of videos from artists of whole Europe und of exhibitions of painting and fotografy.

The videos were shown in the upper floor of the Ars Aevi Museum Depot, where the screen was hanged between the windows, so that the viewer had the possibility to look at the hills of the lighted town. In this way Sarajevo was permanently participating in the video- presentation. Not for all, but for some videos this ambiente was a further kick which one could not get otherwhere.

13 artists of Europe were invited with their videos of 3 till 10 minutes. In a special way two chapters of life in the modern world were the main themes – the subjective existential situation of the individuum, his loneliness and possible escape into the relationship to another person („Iceberg“, Vanta Marvcoeidi, Greece), and second: the city in its various forms.

To tell, to speak, language and speechlessness were examined in different nuances in the video of Klitsa Antoniou, Zyprus, „Experimenteal Storytelling“ and „All is mine“ of Gökce ER, Turkey. In „All is mine“ only two hands can be seen in front of a black space, acting in a sign language for deaf mute. Each visitor knows similar movements of hands, but they were never related to sign language. Perhaps they had underlined a speech. So Gökce’s video has a strongly concentrated form with a surprising insight.

The city was theme of three extraordinary videos:  In „The City of Steel“ Matja Debeljuh, Croatia, shows the contrast of steel, the masses of clouds of the dangerous air, which appears by producing steel. The video documents that the city of steel is dead when the production will be finished. It is the devil’s circle that the city of steel only lives by producing deadly air.

In her video „Memoria Sarajevo“ Nora Lefa, Greece, France, has put the architecture of the city into a fragile structure of white lines, through which the camera can go easily. Who knows Sarajevo may think to recognize some architectures, but the delicate drawing refuses each precise definition like the memory can also give only a cetain impression oft he past.

With her excellent video „Skyline Memory“ Beatriz Ruibal, Spain, comes back from architecture to people, who live behind the facades. The artist has chosen some wellknown buildings, on which the camera slowly goes up from the bottom to the roof, what gives the impression as if the architecture is sinking. During the camera-drive textes of Beatriz Ruibal and other authors are quoted about the life behind the housewalls, about the life of the individuum in the mass of people in those skyscrapers.

Mankind and nature is the theme of the video „The Wind and the Book“ of Eugenia Gortchakova, Germany, Russia. A book of the philosopher Karl Jaspers, who had worked intensively with this theme, lies on a bank of a small river and the wind works with the pages as if it would read in the book until it closes it. Nature works with mankinds product. In the second video Eugenia Gortchakova has collected answers of the existential question „Whatfor would you die?“, a question which can get under one’s skin twenty years after the war in Sarajevo.

Two exhibitions were opened in this week: Alfred Freddy Krupa shows at the Galerija Preporod „Modern European Brush Painting“ and Alim Zrno shows fotografy in the Galerija Novi Hram.

Alfred Krupa, Croatia, got in 1998 a scholarship at the Tokyo Gakugei Univerity and studied Japanese painting. A chosen collection he presents in Sarajevo. The Japanese influence is obvious in the lines and in the way the brush paints trees and landscapes. Also the differenciation of grey minds of the Japanese masters. But sometimes Krupa solves himself from the connection to landscape and nature forms and he gives the brush free movements which seem to be near the European informel. In a certain way Krupas work is a bridge between Japanese and European painting of today.

The modulation of black is also a speciality of the act-fotografy of Alim Zrno, Sarajevo. So markant posture and gesture of the models seem to be the artist uses textile, capes, cloth and carpets to come to other contours than those of the body. The textile materials can surround the body without covering it. This suspense between erotical access on the body and distance characterizes the act-fotografy of Alim Zrno. Important medium hereby is the light which very sensitively forms and covers, offers and refuses.

The 32nd Festival Sarajevo Winter 2016 has shown remarkable art.

Jürgen Weichardt

 

 

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